Hyperlink auf Youtube-Video kann Blogger teuer zu stehen kommen

Teurer Link auf ein Youtube-Video

 

Ein Link in einen Blog auf ein Youtube Video kann den Bloger teuer zu stehen kommen.

 

Ein Blogger hatte in einem seiner Beiträge einen Hyperlink auf ein Youtube-Video gesetzt, das einen ZDF-WISO—Beitrag: „WISO ermittelt: Dubioser Krebsarzt“ über umstrittene und von WISO angeprangerte Therapien eines Krebs-Arztes beinhaltete und sich den Beitrag zu Eigen gemacht.

Die Gesamtberichterstattung von WISO schien fragwürdig und beinhaltet zumindest vom Arzt bestrittene Tatsachenbehauptungen.

Der Blogger wurde vom betroffenen Arzt gerichtlich auf Unterlassung in Anspruch genommen, weil auch die weitere Verbreitung des Video durch ihn sein Persönlichkeitsrecht beeinträchtigte. Das LG Hamburg – 324 O 596/11 gab dem Arzt in seiner Entscheidung vom 09.03.2012 Recht. Der Bloger ist mit Verfahrenskosten in Höhe von 10.000,- € und weiteren 5 stelligen Verfahrenskosten für die Rechtsmittelinstanzen konfrontiert.

 

Rechtsanwalt Dlugosch meint hierzu:

Die Verbreitung von fremden öffentlichen Beiträgen im Netz und ihre Zulässigkeit durch Hyperlinks, die sich über Verhaltensweisen von Personen, die keine Personen der Zeitgeschichte sind ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt. Es gibt da widersprüchliche Entscheidungen, die zwischen dem verfassungsrechtlich geschützten Persönlichkeitsrecht einerseits und dem Recht auf Meinungsfreiheit nach Art. 5 GG andererseits abwägen. Die Tendenz der Rechtsprechung geht im Zweifelsfalle in Richtung Meinungsfreiheit, erst recht, wenn Sachverhalte bereits öffentlich waren. Wie der BGH obigen Fall entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Juristisch und steril dogmatisch lassen sich pro und contra begründen

 

Ich sehe eine Entwicklung der Rechtsprechung zulasten des Persönlichkeitsrechtes bei Internetveröffentlichungen aber als höchst problematisch an. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Fernsehbeiträge wie z.B.WISO, Die Akte etc. skandalisierende Beiträge liefern müssen, um überhaupt Aufmerksamkeit beim Zuschauer zu erregen. Dass hierbei nicht immer objektiv gearbeitet wird und Sachverhalte zu diesem Zweck oder mangels gründlicher Recherche einseitig, verzerrt, und mit Halbwahrheiten gespickt verbreitet werden, ist nichts Neues. Zwar haben die Autoren solcher Beiträge dann die problematischen Informationen öffentlich gemacht, aber Links in Internet-Blogs verbreiten und multiplizieren derartige problematischen Beiträge millionenfach und sind geeignet, die Existenz von Privatpersonen zu vernichten, die sich womöglich in Wirklichkeit nichts haben zu Schulden kommen lassen. Gleichwohl werden sie wie im Mittelalter vor einem Millionenpublikum von Rudis und Susis Jedermann an den Pranger gestellt. Blogger, die zur Verbreitung das Persönlichkeitsrecht verletzender Beiträge beitragen, sind bei aller Freiheit im Internet Mittäter. Einen Fernsehsender kann der Betroffene presserechtlich belangen und bei Vorliegen der Voraussetzungen ihn auch erfolgreich auf Schadensersatz in sechstelligen Größenordnungen in Anspruch nehmen, bei vielen Blogern werden aber im Falle ihrer Haftung selbst die Verfahrenkosten nicht beitreibbar sein. Der Schaden für den Betroffnen ist irreparabel, oft nur weil Bloger in ihrer Freizeit öffentlich Frust abbauen wollten. Meinungsfreiheit bedeutet, sich vorher eine eigene Meinung von etwas gebildet zu haben. Fraglich ist, ob davon auch die bloße Multiplikation fremder Meinungen zu einem Sachverhalt erfasst sein kann, die der Kundtuende nur aus fremden Quellen kennt und zu den persönlichen Vorwürfen und der betroffenen Person keinen einzigen Bezug hat.

 

 

 

 

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